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Zeitleiste des Sees

Zweitausend Jahre See in der Reihenfolge der Daten: von der Römerstraße am Westufer bis zum ersten Dampfschiff, vom Fall der Isola Comacina bis zum Wehr von Olginate. Jedes Datum führt zu der Geschichte, die davon erzählt, und zu dem Ort, an dem es geschah.

Daten
82
Geschichten
27
Epochen
6
Der Hafen von Como mit der Mole und vertäuten Booten, rechts die Domkuppel, hinter der Stadt der Hügel von Brunate.
Photochrom Print Collection · Public domain

82Daten

Antike

Bis zum 5. Jahrhundert · 5 Daten

  1. 1. Jahrhundert

    Die Römerstraße am Westufer

    Eine Römerstraße verbindet den Flusshafen von Cremona über Mailand und Como mit Chiavenna und führt am Westufer des Sees hinauf nach Raetien, der Provinz jenseits der Alpen. Ihr Verlauf ist der der Staatsstraße Regina, die fünfzehn Jahrhunderte lang ein gepflasterter Saumpfad bleibt.

    Ort: ComoGeschichte: Die Regina, die Straße am Westufer

    Colonno von einer Drohne aus, dahinter die Isola Comacina und das Ufer der Tremezzina, die Regina zwischen Häusern und Wasser.
  2. 61 oder 62

    Plinius der Jüngere wird geboren

    In Novum Comum, dem antiken Como, wird der Neffe von Plinius dem Älteren geboren, der ihn später adoptiert. In seinen Briefen beschreibt er die Quelle, die mehrmals am Tag steigt und fällt, die der Pliniana, und zwei seiner Villen am Ufer des Lario, die er Tragödie und Komödie nennt.

    Ort: ComoGeschichte: Die beiden Plinius vom Comer See

  3. 2. oder 3. Jahrhundert

    Die Römer verwenden Marmor aus Musso

    Die sechzehn Säulen von San Lorenzo in Mailand, etwa siebeneinhalb Meter hoch und aus römischen Bauten jener Jahrhunderte, sind aus weißem Marmor von Musso. Die wichtigsten Steinbrüche lagen auf dem Felssporn, auf dem später die Burg des Medeghino stand.

    Ort: MussoGeschichte: Der Stein vom See

  4. 5. Jahrhundert

    Ein Baptisterium auf der Isola Comacina

    Auf der Insel steht ein Taufsaal mit Mosaiken und Fresken. Seine Reste kamen bei den Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts rund um die kleine Kirche San Giovanni ans Licht.

    Ort: Isola ComacinaGeschichte: Die Maestri Comacini

  5. 5. oder 6. Jahrhundert

    Das Baptisterium von Gravedona

    In Gravedona entsteht ein Baptisterium mit Mosaikboden und einem achteckigen Becken für die Taufe durch Untertauchen. Über seinen Resten erhebt sich später die romanische Kirche Santa Maria del Tiglio mit Bändern aus hellem und dunklem Stein; das Baptisterium kam bei den Grabungen von 1953 ans Licht.

    Ort: Santa Maria del TiglioGeschichte: Die Maestri Comacini

    Der gestreifte Glockenturm von Santa Maria del Tiglio in Gravedona, nachts beleuchtet.

Mittelalter

6. Jahrhundert bis 1449 · 14 Daten

  1. 607–617

    Agrippinus gründet ein Oratorium in Piona

    Agrippinus, Bischof von Como, errichtet auf der Halbinsel Olgiasca ein Oratorium für die Märtyrerin Justina und lässt dort sein eigenes Grab anlegen. Daran erinnert ein Steinpfeiler, der in Piona aufbewahrt wird; vermutlich lebte dort schon damals eine kleine Gemeinschaft von Einsiedlern.

    Ort: Abtei von PionaGeschichte: Der See der Mönche

    Der kleine See von Piona, die von der Halbinsel abgeschlossene Bucht, mit den Alpen dahinter.
  2. 643

    Das Edikt des Rothari nennt die Maestri Comacini

    Zwei Kapitel des Gesetzes des langobardischen Königs Rothari behandeln den magister commacinus und legen fest, wer für den Schaden aufkommt, wenn ein von einem Meister gebautes Haus einstürzt. Der Name bezeichnet sehr wahrscheinlich Baumeister und Steinmetze aus der Gegend von Como, doch seine Bedeutung ist nicht geklärt.

    Ort: ComoGeschichte: Die Maestri Comacini

    Die Isola Comacina von oben: eine bewaldete Landzunge im blauen See, mit Wiesen und einem weißen Gebäude zur Spitze hin und einem Kiesstreifen am Ufer; dahinter das gegenüberliegende Ufer mit Häusern am Wasser, unten Dächer und grüne Zweige.
  3. Zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts

    Ein Kloster auf dem Berg über Civate

    Am Ende des Langobardenreichs entsteht über Civate ein kleines Kloster der Heiligen Petrus und Paulus; die Legende schreibt es König Desiderius zu. Zwischen dem 10. und dem 11. Jahrhundert wird daraus der romanische Bau von San Pietro al Monte, den man nur zu Fuß erreicht.

    Ort: Basilika San Pietro al MonteGeschichte: Der See der Mönche

    Das Oratorium San Benedetto bei San Pietro al Monte über Civate: eine kleine Steinkirche mit Steinplattendächern und einer runden Apsis mit kleinem Fenster, hinter einer Steinmauer, die die Terrasse abschließt; weiter unten, jenseits des kahlen Waldes, der Lago di Annone mit den Orten ringsum und einem Straßenviadukt an seinem Ende, und in der Ferne Berge mit verschneiten Gipfeln unter blauem Himmel.
  4. 24. Januar 835

    Limonta kommt an das Kloster Sant'Ambrogio

    Mit einer Urkunde Kaiser Lothars wird Limonta ein Lehen des Mailänder Klosters Sant'Ambrogio, das den Ort bis 1797 behält. Jahrhundertelang brennt das Öl dieser Küste am Arm von Lecco in den Lampen am Grab des Mailänder Schutzpatrons.

    Ort: Oliveto LarioGeschichte: Die Olivenküste

    Limonta vom See aus: auf der Ufermauer eine gelbe Villa mit Backsteinturm unter einem Pagodendach, Zedern und eine Blutbuche; darüber steigen Häuser zwischen silbrigen Olivenbäumen den Hang hinauf, und weiter oben bedeckt Wald den Berg.
  5. Sant'Eufemia auf der Isola Comacina

    Bischof Litigerius gründet auf der Insel das Kanonikerstift Sant'Eufemia, eine dreischiffige Basilika von mehr als vierzig Metern Länge. Die ummauerte Insel ist das Zentrum der Pieve, die die Kirchen des Westufers zwischen dem Tal des Camoggia und dem Bach Perlana vereint.

    Ort: Isola ComacinaGeschichte: Der Untergang der Isola Comacina

  6. Das erste Land der Abtei San Benedetto

    Bischof Rainald von Como steigt ins Val Perlana hinauf, um einen Streit zwischen den Männern von Isola und denen von Lenno um die Kirche San Benedetto beizulegen. Er erhält eine Schenkung von Land und Weiderechten: Sie ist das älteste Dokument der Abtei.

    Ort: San Benedetto in Val PerlanaGeschichte: Der See der Mönche

    Fassade und Glockenturm von San Benedetto zwischen den Wiesen und Wäldern des Val Perlana.
  7. Urban II. weiht Sant'Abbondio

    Vor den Mauern von Como, an der alten Via Regina, haben die Benediktiner seit 1010 die Kirche Sant'Abbondio neu gebaut, fünfschiffig und mit zwei Zwillingstürmen neben der Apsis. Papst Urban II., auf der Durchreise in Como, weiht sie.

    Ort: Basilika Sant'AbbondioGeschichte: Die Maestri Comacini

    Ein Bogenfenster in der hellen Steinmauer der Apsis: Die Rahmung ist mit dichtem Bandgeflecht gemeißelt, zwei schlanke Säulchen tragen den inneren Bogen, die Laibungen wechseln weiße und graue Quader ab, und das Glas ist mit Kreisen gemustert; darüber läuft ein Sägezahnband unter einem Flechtfries.
  8. 1118–1127

    Der Zehnjährige Krieg zwischen Como und Mailand

    Die Isola Comacina und die Pievi am See stellen sich auf die Seite Mailands gegen Como, und der See wird zum Schlachtfeld. 1124 besetzen und verbrennen die Comasken die Insel, doch den Krieg gewinnt Mailand: Im August 1127 wird Como eingenommen und muss den Abriss der Stadt hinnehmen, nur die Kirchen bleiben stehen.

    Ort: Isola ComacinaGeschichte: Der Untergang der Isola Comacina

  9. Die Zisterzienser in Acquafredda

    Azzo, genannt Pellegrino, schenkt den Zisterziensern von Morimondo Land oberhalb von Lenno für ein Kloster, das die Reliquien der Heiligen Agrippinus und Domenica von der Isola Comacina hüten soll. Der Name, „kaltes Wasser“, kommt von einer nahen Quelle; die Kirche Santa Maria dell'Uliveto wird 1193 geweiht.

    Ort: Abtei Acquafredda, LennoGeschichte: Der See der Mönche

    Der weiße Glockenturm und die gelbe Kirche der Abtei am Hang, zwischen Zypressen, dahinter der See und die Berge.
  10. Como macht die Isola Comacina dem Erdboden gleich

    Mit Friedrich Barbarossa wieder erstarkt, zerstört Como die Insel bis auf die Grundmauern und verstreut ihre Steine im See, damit sie nicht wieder aufgebaut werden kann. Die Bewohner fliehen nach Varenna, wo das Viertel, das sie aufnimmt, den Namen Insula nova erhält; 1175 bestätigt ein Dekret Barbarossas das Verbot des Wiederaufbaus.

    Ort: Isola ComacinaGeschichte: Der Untergang der Isola Comacina

    Ruinen auf der Isola Comacina an einem dunstigen Sommertag: im Vordergrund niedrige Mauern aus aufgeschichteten flachen Steinen, Platten und Steine verstreut im Gras; rechts ein Baum mit schrägem Stamm und ein Hang mit trockenem Gras, links Bäume und Büsche; dahinter der hellblaue See und der steile bewaldete Berg am gegenüberliegenden Ufer, an dessen Fuß sich ein Dorf am Wasser entlangzieht, und in der Ferne ein weiterer Gipfel im Dunst.
  11. Der Comballo, das Lastschiff des Sees

    Der Comballo erscheint bereits in einem Dokument, das den Schiffern des Comer Sees verbietet, sich zu Gesellschaften zusammenzuschließen. Zwanzig bis dreißig Meter lang, mit flachem Boden und einem einzigen Rahsegel, trägt er Steine aus Moltrasio, Sand, Kalk und Holz für die Brennöfen.

    Ort: ComoGeschichte: Der Stein vom See

  12. 1252–1257

    Der Kreuzgang von Piona

    Prior Bonaccorso de Canova aus Gravedona lässt auf eigene Kosten den Kreuzgang der Abtei bauen, wie zwei Inschriften festhalten. Die Kapitelle, eines anders als das andere, tragen Hakenblätter, Adler mit ausgebreiteten Flügeln und kleine Köpfe; die Namen der Baumeister sind unbekannt.

    Ort: Abtei von PionaGeschichte: Die Maestri Comacini

    Der romanische Kreuzgang der Abtei von Piona, mit den gekoppelten Säulchen und dem Rasen im Innern.
  13. 1336–1338

    Die Brücke des Azzone Visconti in Lecco

    Azzone Visconti, Herr von Mailand, lässt die Brücke über die Adda bauen, wo der Fluss den See verlässt. Sie hat acht Bögen; die Comasken, überzeugt, dass die Engstelle ihre Stadt überflutet, erreichen zwischen 1354 und 1440 drei weitere.

    Ort: Ponte Azzone ViscontiGeschichte: Wenn der See in die Stadt kommt

    Die Brücke mit ihren Bögen über dem Wasser, dahinter die verschneiten Berge über Lecco.
  14. Das erste belegte Hochwasser in Como

    Der See dringt in die Stadt ein: Es ist das erste belegte Hochwasser, in einem herzoglichen Brief vom 20. September. Danach erhält die Brücke von Lecco 1434 einen zehnten Bogen, damit mehr Wasser aus dem See abfließen kann.

    Ort: ComoGeschichte: Wenn der See in die Stadt kommt

Renaissance und Fremdherrschaft

1450–1699 · 12 Daten

  1. 1457–1486

    Die Fassade des Doms von Como

    Ab 1452 verwendet die Dombauhütte weißen Marmor aus Musso, der zu ihrem wichtigsten Material wird. Die Fassade, 1457 begonnen, wird 1486 mit der Fensterrose vollendet.

    Ort: Kathedrale Santa Maria AssuntaGeschichte: Der Stein vom See

    Die Apsiden und die Kuppel des Doms, aus Marmor, unter einem Septemberhimmel.
  2. Um 1490

    Leonardo notiert den See

    Auf einem Blatt des Codex Atlanticus zählt Leonardo da Vinci Täler, Flüsse, Wasserfälle und Bergwerke des Sees auf und rät, diese Ausflüge im Mai zu machen. Vom Fiumelatte, den er Fiumelaccio nennt, schreibt er, er stürze mit gewaltigem Getöse senkrecht in den See.

    Ort: FiumelatteGeschichte: Leonardo am Comer See

    Der Fiumelatte zwischen den Häusern des gleichnamigen Ortsteils von Varenna: Das schaumweiße Wasser fällt in Stufen zwischen moosbedeckten Felsblöcken hinab und fließt unter einem Steg mit Geländer und weiter oben unter einer steinernen Bogenbrücke hindurch; zu beiden Seiten verputzte Mauern, eine Außentreppe mit Handlauf, eine blühende Glyzinie an einem gelben Haus mit grünen Fensterläden und an einem rosa Haus ein gelbes Schild mit der Aufschrift „Fiumelatte“.
  3. Bis 1498

    Die beiden Plinius an der Domfassade

    Die Brüder Giacomo und Tommaso Rodari vollenden die beiden Ädikulen zu beiden Seiten des Hauptportals: Links sitzt Plinius der Ältere, rechts Plinius der Jüngere. 1578, mitten in der Gegenreformation, überstehen die Statuen einen Versuch, sie zu entfernen.

    Ort: Kathedrale Santa Maria AssuntaGeschichte: Die beiden Plinius vom Comer See

    Die Ädikula des Plinius des Älteren an der Fassade des Doms von Como, von einem Glaskasten geschützt: die sitzende Marmorstatue in einer Nische zwischen zwei gemeißelten Säulen, ein Buch auf dem Knie; darunter zwei Reliefs zwischen kleinen Karyatiden, eine von Putten gehaltene Girlande und eine Tafel mit lateinischer Inschrift; ringsum die grauen Marmorblöcke der Fassade.
  4. Der Medeghino setzt sich in Musso fest

    Gian Giacomo Medici, genannt der Medeghino, setzt sich als Burgvogt in der Festung auf dem Sasso di Musso fest und baut sie zu Festung und Residenz aus. Mit einer bewaffneten Flottille überfällt er den Handel und die Uferdörfer und beherrscht den oberen See.

    Ort: Sant'Eufemia, MussoGeschichte: Der Medeghino, Herr über den See

    Das Kirchlein Sant'Eufemia auf dem Sasso di Musso an einem Spätwintertag: links die verputzte, rissige Mauer der Kirche und die Bogenvorhalle auf zwei Steinsäulen mit ihrem Dach aus Steinplatten; ein Wanderer mit Rucksack und Stöcken geht über das Pflaster; jenseits einer Trockenmauer und einer abschüssigen Wiese mit einem Baum voll trockener Blätter und zwei Picknicktischen erstreckt sich der See zu einem dunstigen Horizont, mit den Bergen des anderen Ufers, einem verschneiten Gipfel und am Ufer rechts den Häusern eines Ortes.
  5. Karl V. macht den Medeghino zum Markgrafen von Musso

    Inzwischen im Dienst des Kaisers, erhält der Medeghino die Markgrafschaft Musso über viele Gebiete rund um den See, Como ausgenommen, mit voller Gerichtsbarkeit und dem Recht, Münzen zu prägen. Das Wappen der Gemeinde Musso trägt die Krone dieser Markgrafschaft.

    Ort: MussoGeschichte: Der Medeghino, Herr über den See

  6. Die Burg von Nesso wird zerstört

    Im Krieg gegen den Medeghino wird die Burg zerstört, die die Comasken 1449 über der Schlucht von Nesso gebaut hatten. Von ihr bleibt eine bis zu fünfzehn Meter hohe Mauer.

    Ort: Burg San Lorenzo, NessoGeschichte: Der Medeghino, Herr über den See

    Die zinnenbewehrten Burgmauern mit einem efeubewachsenen Türmchen auf der Wiese oben, über dem blauen See und den Bergen des anderen Ufers.
  7. Die Burg von Musso wird geschleift

    Nach dem 1531 begonnenen Krieg gegen die Drei Bünde, die Schweizer Kantone und den Herzog von Mailand einigt sich der Medeghino mit dem Herzog: Er tritt Musso, Lecco und die übrigen besetzten Gebiete ab und erhält die Markgrafschaft Marignano. Die Burg auf dem Sasso wird geschleift, und die Schweizer erhalten das Versprechen, dass sie nicht wieder aufgebaut wird.

    Ort: Historisches Gemeindemuseum MussoGeschichte: Der Medeghino, Herr über den See

  8. 1565–1570

    Die Villa des Kardinals Gallio in Cernobbio

    Kardinal Tolomeo Gallio, in Cernobbio geboren, lässt sich nach Plänen von Pellegrino Tibaldi eine Sommerresidenz am See bauen. 1815 kauft sie Caroline von Braunschweig und nennt sie Villa d'Este.

    Ort: Villa d'Este, CernobbioGeschichte: Das Jahrhundert der Grandhotels

    Die lange helle Fassade der Villa d'Este am Ufer, mit gelben Markisen im Erdgeschoss und den Häusern von Cernobbio am Hügel dahinter.
  9. Das Kloster von Varenna wird ein Wohnhaus

    Der Mailänder Erzbischof Karl Borromäus hebt das Zisterzienserinnenkloster von Varenna auf, in dem nur noch zu wenige Nonnen leben. 1569 kauft es Paolo Mornico und macht ein Wohnhaus daraus: Das ist der Ursprung der Villa Monastero.

    Ort: Villa MonasteroGeschichte: Der See der Mönche

    Die Villa Monastero von der Balustrade über dem See, zwischen Palmen und Zypressen, dahinter die Spitze von Varenna.
  10. Eine Villa rund um die Quelle der Pliniana

    Graf Giovanni Anguissola, Gouverneur von Como, kauft das Grundstück in Torno, auf dem die von Plinius dem Jüngeren beschriebene Quelle entspringt, und baut dort in drei Jahren die Villa. In der Loggia geben zwei Steintafeln den Brief des Plinius wieder, auf Lateinisch und auf Italienisch.

    Ort: Villa Pliniana, TornoGeschichte: Die beiden Plinius vom Comer See

    Die gelbe Villa am Ufer unter der Felswand, dahinter der weiße Wasserfall im Grün.
  11. 1606–1624

    Die Wallfahrtskirche Madonna del Moletto

    Der Zisterziensermönch Roberto Rusca, 1605 nach Limonta gekommen, baut auf dem steil zum See abfallenden Felsen die Wallfahrtskirche Madonna del Moletto, damit die Schiffer auf dem Wasser und die Bauern auf den Wegen sie sehen.

    Ort: Heiligtum der Madonna del Moletto, Oliveto LarioGeschichte: Die Olivenküste

  12. Der See dringt in den Dom von Como ein

    Beim Hochwasser steht das Wasser im Dom bis an die Stufen des Hochaltars. Zwei Gedenktafeln in der Via Volta und der Via Diaz erinnern daran; 1703 erreicht der See den Dom erneut, bis zu den Pfeilern der Orgel.

    Ort: Kathedrale Santa Maria AssuntaGeschichte: Wenn der See in die Stadt kommt

18. Jahrhundert

1700–1799 · 5 Daten

  1. 1711–1753

    Die Brüder Carloni gestalten die Kirche von Scaria neu

    Die Brüder Diego und Carlo Innocenzo Carloni gestalten die Kirche Santa Maria für Scaria, ihren Heimatort, mit Stuck und Fresken neu. Sie gehören zu den Künstlern aus dem Val d'Intelvi, die in ganz Europa arbeiten: Carlo Innocenzo malt auch in der Kathedrale von Ljubljana und in Wiener Palästen.

    Ort: Santa Maria und Museum für sakrale Kunst, ScariaGeschichte: Die Maestri Comacini

    Das Schiff mit Stuck und Fresken an Wänden und Gewölbe bis zum Hochaltar am Ende.
  2. Alessandro Volta wird geboren

    Volta kommt in Como zur Welt, in dem Haus in der Via Volta, in dem er 1827 sterben wird. Als junger Mann macht er seine ersten Versuche im Labor des Kanonikers Gattoni in einem Turm der Stadtmauer; 1778 übernimmt er den Lehrstuhl für Experimentalphysik an der Universität Pavia.

    Ort: ComoGeschichte: Die Säule, das Feuer und der Tempel

  3. Joseph II. sucht in Blevio Schutz

    Von einem Sturm auf dem See überrascht, findet Kaiser Joseph II. Schutz in einem Haus am Ufer von Blevio. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zieht sich die Tänzerin Maria Taglioni dorthin zurück, und die Villa erhält ihren Namen.

    Ort: Villa Taglioni, BlevioGeschichte: Der See der Musiker

  4. Die Villa del Balbianello an der Spitze von Lavedo

    Auf den Resten eines Franziskanerklosters an der Spitze des Dosso di Lavedo entsteht die Villa del Balbianello. Mit der Sommerfrische des Mailänder Adels füllt sich das Ufer mit Residenzen, deren Fassaden zum Wasser blicken, denn man kommt über den See.

    Ort: Villa del BalbianelloGeschichte: Die Villen und das Mikroklima

    Der Rasen, der unter der Loggia zum See abfällt, mit den gestutzten Platanen, dem Kiesweg und einigen Besuchern.
  5. Ende des 18. Jahrhunderts

    Die Seide verlässt die Häuser

    Nach drei Jahrhunderten Heimarbeit, mit Seidenraupen im Haus und im Winter gesponnenem Faden, zieht die Seidenverarbeitung in Werkstätten an den Bächen, die die Antriebskraft liefern. Im 19. Jahrhundert wird Como zu einem der wichtigsten Seidenzentren Europas.

    Ort: SeidenmuseumGeschichte: Die Seide von Como

    Stränge Seidengarn in Blautönen, über eine Holzstange gehängt; dahinter Spulen in anderen Farben.

19. Jahrhundert

1800–1899 · 22 Daten

  1. Volta kündigt die Säule an

    In einem Brief an Joseph Banks, den Präsidenten der Royal Society in London, kündigt Volta ein neues Gerät an: eine Säule aus Scheiben verschiedener Metalle, getrennt durch in Salzwasser getränkte Pappstücke. Er hatte es Ende 1799 in Como gebaut; nach seiner Form heißt es Säule, italienisch pila.

    Ort: Tempio VoltianoGeschichte: Die Säule, das Feuer und der Tempel

    Der Tempio Voltiano in Como an einem klaren Tag: Vier korinthische Säulen tragen das Gebälk mit der Inschrift „A·Volta“ und einen Giebel mit einem Medaillon, in Nischen stehen zwei weiße Statuen, an den Dachecken geflügelte Figuren, dahinter die Kuppel; am Sockel ein Bogen mit einem Becken, davor ein rundes Beet mit Pollern und Ketten, zu beiden Seiten kuppelförmig geschnittene Bäume und zwei Laternen, rechts hinter den Bäumen der See und die Berge mit einem Dorf.
  2. 1808–1810

    Die Villa Melzi in Bellagio

    Francesco Melzi d'Eril, Vizepräsident der napoleonischen Italienischen Republik, lässt sich in Bellagio eine klassizistische Villa bauen, mit einem englischen Park, der sich eben am Wasser entlang über Hunderte Meter erstreckt.

    Ort: Gärten der Villa MelziGeschichte: Die Villen und das Mikroklima

    Der Park der Villa Melzi in Bellagio vom Wasser aus, unter dem Berg.
  3. Shelley sucht ein Haus an der Pliniana

    Aus Mailand schreibt Percy Bysshe Shelley seinem Freund Thomas Love Peacock, er sei in Como gewesen, um ein Haus zu suchen. Am liebsten ist ihm die Landschaft der halb verfallenen Villa Pliniana, die er und Mary zu bekommen hoffen; die Verhandlungen scheitern.

    Ort: Villa Pliniana, TornoGeschichte: Der See der Schriftsteller

  4. Ein Hotel in der Villa Cipressi

    Die Familie Venini eröffnet in der Villa Cipressi in Varenna ein Hotel und führt es bis 1864. In denselben Jahren, um 1825, wird das Gasthaus von Abbondio Genazzini am Ufer von Bellagio zu einem richtigen Hotel.

    Ort: Gärten der Villa CipressiGeschichte: Das Jahrhundert der Grandhotels

    Villa Cipressi in Varenna vom Wasser aus, mit den Zypressen, die zum See hinabsteigen.
  5. Das erste Dampfschiff

    Die Lario, ein hölzerner Raddampfer, der am 29. Juli am Strand des Olmo bei Borgo Vico vom Stapel lief, nimmt den täglichen Verkehr zwischen Como und Domaso auf. Eine Fahrt von Como nach Colico, die mit Segel und Ruder einen oder zwei Tage dauern konnte, dauert nun wenige Stunden, nach festem Fahrplan.

    Ort: Villa OlmoGeschichte: Zweihundert Jahre unter Dampf

    Der Raddampfer Concordia in Fahrt, mit schwarzem Schornstein und den Villen des Ufers dahinter.
  6. „Die Verlobten“ geben den Lucie-Booten ihren Namen

    Alessandro Manzonis Roman erscheint zum ersten Mal. Darin überquert Lucia den See nachts in einem Arbeitsboot mit Bögen für die Plane, und seither heißt dieses Boot Lucia.

    Ort: LeccoGeschichte: Die Lucie, die Boote mit den Bögen

    Lecco in der Abenddämmerung im stillen Wasser gespiegelt, mit dem Kirchturm von San Nicolò und der Felswand des Monte San Martino.
  7. Bellini in Moltrasio

    Die Familien Cantù und Turina mieten die Villa Salterio in Moltrasio, wo Giuditta Cantù ihre Liebesbeziehung mit Vincenzo Bellini lebt. Es sind die Jahre, in denen der Komponist La straniera und La sonnambula schreibt; eine Gedenktafel an der Fassade der Villa erinnert daran.

    Ort: Villa Salterio Erker, MoltrasioGeschichte: Der See der Musiker

    Die dreigeschossige lila Villa an der Straße mit grauen Fensterläden, dem verzierten Giebel oben und einer Tafel an der Fassade; links eine Terrasse mit Balustrade, rechts der Bogen über der Straße.
  8. Liszt in Bellagio

    Franz Liszt kommt mit Marie d'Agoult und wohnt im Hotel Genazzini. Am See schreibt er die zwölf Grandes études für Klavier; am Heiligabend kommt in Como, im Albergo dell'Angelo, seine Tochter Cosima zur Welt, die später Wagner heiraten wird.

    Ort: Palazzo GenazziniGeschichte: Der See der Musiker

    Die weiße Marmorgruppe von Dante und Beatrice: Dante, mit Lorbeer bekränzt, hält ihre Hand; Beatrice steht auf einer Kugel zwischen Wolken und hebt den Arm nach oben. Darunter der Sockel mit Bogenfries und eingemeißelten Versen, vor einer dunklen Hecke mit Rhododendronblüten.
  9. Der See in der „Kartause von Parma“

    Stendhals Roman erscheint. Fabrizio del Dongo wächst im Schloss der Familie in Grianta auf, am Westufer gegenüber von Bellagio; im zweiten Kapitel erscheinen die Villa Melzi und das Vorgebirge, das die beiden Arme trennt, den sinnlichen Arm von Como und den strengen Arm von Lecco.

    Ort: GrianteGeschichte: Der See der Schriftsteller

  10. Der See in zwei Lithografien nach Daguerreotypien

    Ein Jahr nach der Vorstellung der Daguerreotypie in Paris gehört der See bereits zu den Motiven der ersten Fotografen. Zwei nach Daguerreotypien kopierte Lithografien zeigen Bellagio vom See aus, signiert von Falkeisen, und die Villa Pliniana, signiert von Louis Cherbuin.

    Ort: BellagioGeschichte: Die ersten Fotografen am See

    Lithografie von 1840 nach einer Daguerreotypie: Bellagio vom See aus, mit den Häusern am Ufer, dem Kirchturm und einem Ruderboot im Vordergrund.
  11. Flaubert in der Villa Sommariva

    Gustave Flaubert besucht die Villa in Tremezzo, die später Carlotta heißen wird. Mehrmals kehrt er zu Amor und Psyche zurück, die er für ein Werk Canovas hält, und beim letzten Besuch küsst er die Statue; die Gruppe wird Adamo Tadolini zugeschrieben, einem Schüler Canovas.

    Ort: Villa CarlottaGeschichte: Der See der Schriftsteller

    Die weiße Marmorgruppe von Amor und Psyche aus der Nähe, in einem halbdunklen Saal: Amor, einen Flügel hoch erhoben, den anderen tiefer, beugt sich über Psyche und hält ihren Kopf und ihre Brust in den Händen; sie lehnt sich zurück, hebt die Arme und umfasst seinen Kopf mit den dichten Locken; Licht von oben lässt Arme und Schultern hervortreten; dahinter hohe Fenster mit Läden, ein gemustertes Glasfenster und eine Büste auf einem Sockel.
  12. Die Villa Carlotta erhält ihren Namen

    Marianne, die die Villa in Tremezzo 1843 gekauft hatte, schenkt sie ihrer Tochter Charlotte zur Hochzeit mit Georg II. von Sachsen-Meiningen: Nach ihr ist die Villa benannt. Ihr Hang hat sauren Boden, deshalb können im Garten Azaleen, Rhododendren und Kamelien wachsen.

    Ort: Villa CarlottaGeschichte: Die Villen und das Mikroklima

    Der botanische Garten der Villa Carlotta, mit Palmen, Glyzinien und blühenden Beeten.
  13. Die Villa des Verlegers Ricordi in Cadenabbia

    In Cadenabbia entsteht die Villa Margherita für den Verleger Ricordi, angeblich mit den Einnahmen aus dem Troubadour. Giuseppe Verdi ist dort oft zu Gast, und Amilcare Ponchielli beginnt hier die Arbeit an I Lituani, die 1874 an der Scala aufgeführt werden.

    Ort: Villa Margherita Ricordi, CadenabbiaGeschichte: Der See der Musiker

    Die gelbe Villa von der Straße aus: grüne Fensterläden, der halbrunde Saal mit Balkon, oben der Name Margherita und die Uhr zwischen zwei Statuen, über Rasen und Balustrade.
  14. Der höchste je gemessene Pegel

    Der See steigt auf 3,97 Meter über den Nullpunkt des Pegels von Malgrate, den höchsten je verzeichneten Stand, und etwa ein Drittel von Como steht unter Wasser, mit dem ganzen Gebiet rund um die Stadtmauer.

    Ort: ComoGeschichte: Wenn der See in die Stadt kommt

    Die Piazza Cavour in Como vom Wasser aus an einem Sommertag: Der See reicht bis auf wenige Stufen an das Pflaster des Platzes, mit Anlegern, weißen Motorbooten und einem rot-weißen Schiff am Steg; links Häuser aus dem 19. Jahrhundert in Rosa und Ocker mit heruntergelassenen Markisen, hinter den Dächern die grüne Kuppel des Doms, ein steinerner Turm und eine Turmspitze; in der Mitte der offene Platz mit Bäumen, blühenden Sträuchern, Laternen und Spaziergängern, ringsum moderne mehrstöckige Gebäude.
  15. Das Jahr der Grandhotels

    Die Villa d'Este in Cernobbio wird ein Hotel. Im selben Jahr öffnet in Bellagio die klassizistische Villa der Familie Frizzoni als Grand Hotel Bellagio, und Antonio Mella eröffnet an der Uferpromenade das Hotel Grande Bretagne.

    Ort: Villa d'Este, CernobbioGeschichte: Das Jahrhundert der Grandhotels

    Die Villa von oben zwischen Zypressen und Parkbäumen, dahinter der blaue See und das andere Ufer.
  16. 1880er-Jahre

    Der Zaun gegen den Schmuggel

    Die Guardia di Finanza baut entlang der Schweizer Grenze einen langen Drahtzaun, die Ramina, mit einem Alarm aus Glöckchen auf Federn. Die Schmuggler gehen heimlich über die Grenze, mit der Bricolla, einem Jutesack, der bis zu fünfunddreißig oder vierzig Kilo Zigaretten, Salz oder Kaffee fasst.

    Ort: Lanzo d'IntelviGeschichte: Der See der Schmuggler

    Die Kirche San Lucio auf dem Pass im Gegenlicht der tiefen Sonne: Mauern aus Stein und abblätterndem Putz, eine Bogenvorhalle und zwei Bogennischen, ein Dach aus Steinplatten und der Glockenturm mit offener Glockenstube, daneben bricht die Sonne hervor; ringsum das Gras der Weide und in der Ferne die Berge im goldenen Dunst.
  17. Die Kleinbahn von Menaggio nach Porlezza

    Die Schmalspurbahn, die den Comer See mit dem Luganersee verbindet, wird am 8. Oktober eingeweiht und am 17. November für das Publikum geöffnet. Um über Menaggio hinaufzukommen, fährt der Zug in einem Manöver namens Regresso rückwärts; der Betrieb endet 1939.

    Ort: MenaggioGeschichte: Als die Eisenbahn an den See kam

    Menaggio vom Hôtel Victoria aus, wie die gedruckte Bildunterschrift sagt: im Vordergrund die Gleise der Bahn nach Porlezza, dann der Ort und der See bei Sonnenuntergang.
  18. Die Bahn am Ostufer

    Mit dem Abschnitt von Bellano nach Colico, nach dem von Lecco nach Bellano im Jahr 1892, verbindet eine durchgehende Bahnverbindung Lecco mit dem Veltlin. Bis Colico hat die Strecke neunundachtzig Kurven, achtzehn Viadukte und neunzehn Tunnel.

    Ort: BellanoGeschichte: Als die Eisenbahn an den See kam

    Der Bahnhof Varenna an einem sonnigen Tag: zwei weiß-grüne Züge mit der Aufschrift Trenord am Bahnsteig, Fahrgäste steigen aus und gehen mit Taschen und Hüten den Bahnsteig entlang; am Ende verschwinden die Gleise im Tunnel, unter einer hellen Felswand und dem Wald.
  19. Die Standseilbahn nach Brunate

    Die Standseilbahn zwischen Como und Brunate, entworfen von den Ingenieurbrüdern Villoresi, wird für das Publikum geöffnet. Geplant war ein Betrieb mit Wasser, durch Schwerkraft, doch das Wasser reicht nicht, und so fährt sie mit einer Dampfwinde; 1911 bekommt sie Elektromotoren.

    Ort: Standseilbahn Como–BrunateGeschichte: Als die Eisenbahn an den See kam

    Der rote Wagen der Standseilbahn Como–Brunate bei der Auffahrt, mit der Stadt unten.
  20. Um 1895

    Der See in Farbe gedruckt

    Eine Zürcher Firma druckt Ansichten des Sees im Photochrom-Verfahren: Bellagio, die Tremezzina, Cadenabbia, Menaggio und Como. Jeder Druck geht von einem Schwarz-Weiß-Negativ aus, und die vom Fotografen notierten Farben werden auf eine Reihe von Lithografiesteinen übertragen, einen pro Farbton.

    Ort: BellagioGeschichte: Der See in Farbe, um 1895

    Bellagio von oben auf einem Photochrom vom Ende des 19. Jahrhunderts: die Uferpromenade mit ihren Alleen, der Kirchturm und dahinter die verschneiten Alpen.
  21. 1896–1897

    Das Kino kommt an den See

    Die Brüder Lumière, auf Italienreise, um den Kinematografen bekannt zu machen, filmen in Bellagio einige Szenen einer Bootsregatta. Die Aufnahmen werden in der Cineteca Nazionale in Rom aufbewahrt.

    Ort: BellagioGeschichte: Der See im Film

  22. Die Volta-Ausstellung brennt

    Ein Funke aus zwei Stromleitungen setzt die Holzpavillons der Ausstellung in Brand, die am Seeufer zur Hundertjahrfeier der Säule aufgebaut wurde: Sie brennen in weniger als einer Stunde nieder, mit vielen Erinnerungsstücken an Volta. In einem Monat baut der Ingenieur Eugenio Linati sie wieder auf, und die Ausstellung öffnet am 20. August erneut.

    Ort: ComoGeschichte: Die Säule, das Feuer und der Tempel

20. Jahrhundert

1900–1999 · 24 Daten

  1. Die erste Drehstrombahn mit Hochspannung

    Die Strecken von Lecco nach Colico und Chiavenna und von Colico nach Sondrio werden elektrifiziert, mit Oberleitungen von dreitausend Volt, gespeist vom Kraftwerk in Morbegno. Sie sind die ersten der Welt, auf denen Züge mit hochgespanntem Dreiphasenwechselstrom fahren.

    Ort: ColicoGeschichte: Als die Eisenbahn an den See kam

    Die Elektrolokomotive E.430.001 im Museum für Wissenschaft und Technik in Mailand: eine schwarze Maschine mit schrägen Vorbauten und dem Führerstand in der Mitte mit seinen Fenstern, Laternen, Pufferbohle und Drehgestellrahmen rot, oben zwei rote Stangen zur Stromabnahme; davor eine Tafel mit der Überschrift „Locomotiva elettrica“; daneben eine schwarze Dampflok, ringsum die Halle mit dem Dach aus Glas und Stahl.
  2. Das Grand Hotel Tremezzo

    Enea Gandola eröffnet am Ufer von Tremezzo ein langgestrecktes Jugendstilhotel, das von Anfang an Aufzüge und elektrische Leuchtschriften hat.

    Ort: Grand Hotel TremezzoGeschichte: Das Jahrhundert der Grandhotels

  3. Grabungen legen Sant'Eufemia frei

    Ugo Monneret de Villard beginnt auf der Isola Comacina zu graben und findet unter fünf Metern Schutt und Erde die bis dahin unbekannte Basilika Sant'Eufemia. Ihre Zerstörung im Jahr 1169 hatte sie vor den Umbauten der folgenden Jahrhunderte bewahrt.

    Ort: Isola ComacinaGeschichte: Der Untergang der Isola Comacina

    Die Apsis der Kirche Santi Faustino e Giovita auf der Isola Comacina an einem Frühlingstag: eine gekrümmte Mauer aus unregelmäßigen hellen Steinen, einige Quader stehen vor, unter einem modernen Holzdach, das sie schützt; links eine Mauer mit kleinen Blendbögen und am Fuß der Apsis ein kleines rechteckiges Fenster; im Vordergrund eine große Agave mit graugrünen Blättern, ringsum eine abschüssige Wiese mit Gras und Felsen und Bäume mit jungem Laub vor blauem Himmel.
  4. Das Fort von Colico wird bewaffnet

    Auf dem Hügel Montecchio, wo die Straßen vom Splügen, vom Maloja, vom Bernina, vom Stilfser Joch und vom Tonale zusammenkommen, ist das Fort bereit, mit vier Kanonen von 149 Millimetern unter drehbaren Stahlkuppeln. Die Kanonen sind an ihrem Platz geblieben.

    Ort: Forte Montecchio NordGeschichte: Die Cadorna-Linie am Lario

    Die vier Stahlkuppeln der Festung von oben, aufgereiht auf einem in Felder geteilten Betondach: Aus jeder ragt ein Kanonenrohr, darüber verläuft ein Streifen aus Erde und trockenem Gras, von einer Mauer begrenzt.
  5. Die befestigte Linie an der Nordgrenze

    Gewarnt vor einem möglichen deutschen Einmarsch in die Schweiz, ordnet Luigi Cadorna eine befestigte Linie von den Tälern des Ossola bis zu den Pässen der Orobie an. In der Provinz Como verläuft sie vom Monte Bisbino bis zur Crocetta oberhalb von Menaggio, mit Schützengräben, Stollen und Stellungen, die nie eine Schlacht erleben werden.

    Ort: La CrocettaGeschichte: Die Cadorna-Linie am Lario

    Die Alpini-Kapelle an der Crocetta, dahinter der See und die Berge.
  6. Hitchcock dreht seinen ersten Film am See

    Für „The Pleasure Garden“, sein Regiedebüt, verlegt Alfred Hitchcock die Hochzeitsreise der Heldin an den See. Zu erkennen sind das Hotel Villa d'Este, die Isola Comacina und die Civera-Brücke in Nesso.

    Ort: NessoGeschichte: Der See im Film

    Die Ponte della Civera in Nesso: eine einbogige Buckelbrücke aus Stein über grünem Wasser, die zu Steinhäusern mit roten Türen und Fensterläden führt; einige Menschen gehen darüber; links eine efeubewachsene Mauer.
  7. Die Autofähre

    Die erste Autochiatta, die Autofähre, nimmt den Dienst auf. Seither verbinden die Überfahrten in der Seemitte Bellagio, Varenna, Menaggio und Cadenabbia; sie sind die einzige Möglichkeit, ein Auto ans andere Ufer zu bringen, ohne um den Arm herumzufahren.

    Ort: VarennaGeschichte: Zweihundert Jahre unter Dampf

    Die Autofähre Lario in Fahrt, Autos und Motorräder auf dem Ladedeck und Passagiere auf den Treppen.
  8. Der Physikerkongress zum Volta-Jubiläum

    In Como, Pavia und Rom kommen einundsechzig Physiker zusammen, unter ihnen die jungen Vertreter der Quantenmechanik: Pauli, Heisenberg, Fermi, Dirac. Auf dem Kongress formuliert Niels Bohr zum ersten Mal das Prinzip der Komplementarität; die Sitzungen in Como finden im naturwissenschaftlichen Saal des Istituto Carducci statt, der später Saal der Nobelpreisträger genannt wird.

    Ort: Istituto Carducci und Nobel-SaalGeschichte: Die Säule, das Feuer und der Tempel

    Die Fassade des Istituto Carducci an der Allee, mit hohen Fenstern und Schmuck aus dem frühen 20. Jahrhundert, hinter den Bäumen.
  9. Der Tempio Voltiano wird eingeweiht

    Der Unternehmer Francesco Somaini schenkt der Stadt das Volta-Museum an der Uferpromenade, entworfen von Federico Frigerio mit einem Anklang an das Pantheon. Ein über zwei Meter hoher Sockel schützt es vor Hochwasser; innen werden Originalinstrumente Voltas aufbewahrt.

    Ort: Tempio VoltianoGeschichte: Die Säule, das Feuer und der Tempel

    Das Innere des Tempio Voltiano von der Galerie aus: Ein Fries aus grünem Marmor läuft mit einer Inschrift in vergoldeten Buchstaben um die Rotunde, „…Francesco Somaini offriva…“; darunter graue Marmorsäulen mit korinthischen Kapitellen, die Brüstung mit Figurenreliefs und Medaillons mit Jahreszahlen von 1790 bis 1800; unten der Mosaikboden aus farbigem Marmor, dunkelgrüne Vitrinen mit Instrumenten, eine weiße Büste auf einem Sockel aus gelbem Marmor mit einem Blätterkranz und Fenster ins Grüne.
  10. Das Novocomum, Comos erster rationalistischer Bau

    Giuseppe Terragni vollendet das Novocomum, ein Wohnhaus mit gerundetem Baukörper an der Ecke, das die Comasken „den Ozeandampfer“ nennen. Zwischen den Kriegen wird Como zu einem der Zentren des italienischen Rationalismus.

    Ort: NovocomumGeschichte: Der Palazzo Terragni, Rationalismus vor dem Dom

    Das Novocomum an der Kreuzung, mit der abgerundeten Ecke und den Balkonen unter blauem Himmel.
  11. Terragni vollendet die Casa del Fascio

    Fünfzig Meter von der Apsis des Doms entfernt vollendet Giuseppe Terragni den 1932 entworfenen Sitz der Nationalen Faschistischen Partei in Como: ein Quadrat von etwa dreiunddreißig Metern Seitenlänge, mit weißem Marmor verkleidet, ohne Gesimse und Schmuck. Das Gebäude trägt inzwischen den Namen Palazzo Terragni.

    Ort: Palazzo Terragni (ehemalige Casa del Fascio)Geschichte: Der Palazzo Terragni, Rationalismus vor dem Dom

    Die Fassade der Casa del Fascio von Giuseppe Terragni in Como, frontal vom Platz aus gesehen, mit einer Person im gelben Regenmantel.
  12. Die Straße erreicht die Piani Resinelli

    Eine Fahrstraße erreicht die Hochebene unter der Grignetta, den Ausgangspunkt der Bergsteiger aus Lecco; bis dahin führte ein Saumpfad hinauf. An den Türmen über den Resinelli hatten Riccardo Cassin und Mary Varale 1931 die Via Mary an der Guglia Angelina eröffnet.

    Ort: Belvedere im Parco ValentinoGeschichte: Die roten Pullover der Grignetta

    Das Campaniletto del Rifugio, eine der Nadeln der Grignetta, zur blauen Stunde: Eine Klinge aus grauem, rissigem Kalk ragt links in den Himmel, mit einer kleinen Markierung auf der Spitze; rechts, tief unten, die Lichter einer Stadt an einem Gewässer, weitere Lichter verstreut in der Ebene und die dunklen Umrisse der Berge.
  13. Die Mönche kehren nach Piona zurück

    Nach Jahrhunderten der Kommende und privater Besitzer kommt eine Gruppe von Zisterziensermönchen aus Casamari und nimmt das Priorat in Besitz, das der Unternehmer Pietro Rocca ihrer Kongregation geschenkt hat. Seither lebt in Piona eine Gemeinschaft von Mönchen.

    Ort: Abtei von PionaGeschichte: Der See der Mönche

    Der romanische Kreuzgang der Abtei, mit den gekoppelten Säulchen.
  14. Auf den Schmugglerpfaden in die Schweiz

    Nach dem Waffenstillstand überqueren viele versprengte Soldaten den Passo San Jorio oberhalb von Gravedona, um in der Schweiz Zuflucht zu suchen. Auch Flüchtlinge nehmen die Pfade der Schmuggler: Während des Krieges nehmen das Tessin und das Misox rund sechsundzwanzigtausend Soldaten und zwölftausend Zivilisten auf, doch viele werden abgewiesen.

    Ort: Gravedona ed UnitiGeschichte: Der See der Schmuggler

  15. In Dongo halten Partisanen Mussolini auf

    Am oberen See halten Partisanen der 52. Brigade Garibaldi eine deutsche Kolonne auf dem Weg in die Schweiz an und erkennen unter den Insassen Benito Mussolini. Nach seiner Gefangennahme bringen sie ihn in den Palazzo Manzi in Dongo, der das Museum über das Kriegsende beherbergt.

    Ort: Museo della Fine della GuerraGeschichte: Die Cadorna-Linie am Lario

    Die klassizistische Fassade des Palazzo Manzi, des Rathauses von Dongo, mit dem Eingang des Museums.
  16. Das Fort von Colico feuert zum einzigen Mal im Krieg

    Die deutsche Kolonne, die in Dongo Mussolini den Partisanen übergeben hatte, wird in Colico unter der Drohung der Kanonen des Montecchio angehalten, die fünf Schüsse abgeben, keiner trifft. Am nächsten Tag unterzeichnen die Deutschen im Hotel Isolabella die Kapitulation.

    Ort: Forte Montecchio NordGeschichte: Die Cadorna-Linie am Lario

  17. Das Wehr von Olginate reguliert den See

    Unterhalb von Lecco, zwischen dem Lago di Garlate und dem Lago di Olginate, geht das Wehr des Consorzio dell'Adda in Betrieb, mit acht Öffnungen von vierzehn Metern. Es hält bei Hochwasser Wasser zurück und gibt es bei Niedrigwasser wieder ab, und es verringert, wie oft die Piazza Cavour in Como unter Wasser steht.

    Ort: LeccoGeschichte: Wenn der See in die Stadt kommt

    Das Wehr von Olginate an einem sonnigen Tag: Eine Reihe von Betonpfeilern, verbunden durch einen weißen Steg, quert den Fluss, und zwischen den Pfeilern fließt das Wasser in einem Streifen weißer Gischt über die Schütze; dahinter der ruhige See, die Häuser einer Stadt und felsige Berge, rechts ein bewaldeter Hang und ein Haus mit rotem Dach, im Vordergrund blaugrünes Wasser über einem Kiesbett und ein grasbewachsenes Ufer.
  18. Die Ragni della Grignetta werden gegründet

    Eine Gruppe junger Bergsteiger aus Lecco gründet die Ragni, die Spinnen, erkennbar am roten Pullover mit der siebenbeinigen Spinne auf dem linken Ärmel. Von den Türmen der Grignetta führt ihr Weg bis nach Patagonien: 1974 besteigt eine Expedition unter Casimiro Ferrari den Cerro Torre.

    Ort: Palazzo delle PaureGeschichte: Die roten Pullover der Grignetta

    Die Grignetta im warmen Abendlicht: Ein Grat aus hellen Kalktürmen und -nadeln, dicht wie Orgelpfeifen, steigt von links zum Gipfel an, zwischen den Felsen ein paar Wolkenfetzen; darunter Grashänge und Wald, im Vordergrund dunkle Baumkronen und das Dach eines Hauses unter blauem Himmel.
  19. Enrico Fermi in der Villa Monastero

    In Varenna, in der Villa Monastero, hält Enrico Fermi seinen letzten Kurs. Die Villa, aus einem Zisterzienserinnenkloster hervorgegangen, beherbergt Physikschulen, und ihr Tagungssaal trägt seinen Namen.

    Ort: Villa MonasteroGeschichte: Die Villen und das Mikroklima

    Die Loggia am See, mit Blumen auf der Brüstung und dem Ufer gegenüber.
  20. Adenauer kommt nach Cadenabbia

    Auf Rat seines Außenministers Heinrich von Brentano di Tremezzo verbringt Bundeskanzler Konrad Adenauer einen Urlaub in Cadenabbia, und Griante ernennt ihn zum Ehrenbürger. Bis 1966 wird er hier achtzehn Urlaube verbringen, ab 1959 in der Villa La Collina.

    Ort: GrianteGeschichte: Der Kanzler am See

    Konrad Adenauer liest auf der Terrasse der Villa La Collina in Cadenabbia in einem Korbsessel die Zeitung, August 1961.
  21. In Cadenabbia wird der Élysée-Vertrag gerettet

    In Cadenabbia, wo Adenauer seine Ferien in der Villa La Collina verbringt, treffen sich die Spitzen der Regierungskoalition, weil die Ratifizierung des Vertrags mit Frankreich im Bundestag zu scheitern droht. Der Kanzler willigt ein, ihm eine Präambel zum Atlantischen Bündnis voranzustellen, und der Vertrag ist gerettet.

    Ort: Villa La Collina, CadenabbiaGeschichte: Der Kanzler am See

    Die gelbe Villa zwischen den Bäumen des Parks: zwei Geschosse mit Bögen, oben die Loggia mit Eisengeländer, davor der Kiesweg und eine geschnittene Hecke.
  22. Das Hochwasser im Jahr der Veltliner Überschwemmung

    Der See erreicht 2,64 Meter über dem Nullpunkt von Malgrate, den höchsten Stand, seit er reguliert wird, und erreicht ihn am 15. Oktober 1993 erneut. Mit dem Wehr steht die Piazza Cavour 30 Tage unter Wasser; ohne es wären es 85 gewesen.

    Ort: ComoGeschichte: Wenn der See in die Stadt kommt

  23. Die Villa del Balbianello geht an den FAI

    Der Forschungsreisende Guido Monzino vermacht dem FAI die Villa an der Spitze von Lavedo, mit seinen Sammlungen und den Erinnerungsstücken seiner Expeditionen zum Everest und zum Nordpol. Der Balbianello ist auch Drehort: Hier entstanden unter anderem „A Month by the Lake“, „Star Wars: Episode II“ und „Casino Royale“.

    Ort: Villa del BalbianelloGeschichte: Der See im Film

    Die Landzunge von Lavedo von oben: die Villa und die Loggia an der Spitze, die Terrassengärten und das blaue Wasser ringsum, zwei vorbeifahrende Motorboote.
  24. Woher der Fiumelatte kommt

    Ein Farbstoff, der in die Höhlen des Moncodeno an der Nordseite des Grignone gegossen wird, zeigt, dass der Fiumelatte der Ausfluss eines Karstsystems im Berg ist. Er fließt meist von März bis Oktober; Leonardo hatte geschrieben, er führe nur im August und September Wasser.

    Ort: FiumelatteGeschichte: Leonardo am Comer See

    Eine enge Gasse von Fiumelatte, dem Ortsteil von Varenna, der dem Wildbach den Namen gibt.